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Was ist an der Jeans eigentlich so kultig? Warum passt sie so gut in unseren Alltag? Und was passiert mit uns, wenn wir sie tragen? Wir haben uns umgehört und mit Menschen gesprochen, die zur Jeans eine besondere Beziehung haben. Unsere Experten verraten dir, was den Mythos Jeans ausmacht.

Sie ist Alltagskleidung, Modestatement und Kultobjekt. Sie kann supermodern oder klassisch, sexy oder lässig sein. Sie wird von Frauen und Männern, von Jung und Alt getragen und ist für die meisten von uns eine Liebe fürs Leben – die Jeans. Die lange Geschichte der kultigen blauen Hose zeigt ihre unerschöpfliche Wandlungsfähigkeit. Von der groben Arbeitshose amerikanischer Cowboys und Farmer des ausgehenden 19.Jahrhunderts über die Nietenhose als Symbol des Protests gegen das Establishment in den 60er Jahren bis zum begehrten It Piece unserer Zeit. Aber was macht die Jeans gegenüber anderen Kleidungsstücken so besonders? Was macht sie zum Kultobjekt? Wir haben vier Experten gefragt, die es wissen müssen.

Die Jeans-Experten

Kultobjekt Jeans Plus Size

Timo ist Einkäufer für die Marke Men Plus und kennt schon die Jeanstrends, die wir im nächsten Jahr tragen werden. Obwohl er viele trendige Jeans besitzt, greift er immer wieder gern auf seine beiden altbewährten Lieblingsjeans zurück.

 

 

 

 

Kultobjekt Jeans Plus Size

Anastasia arbeitet als Qualitätsmanagerin bei Happy Size. Sie kennt sich mit Materialien und Stoffen sehr gut aus. Als leidenschaftliche Jeansträgerin sagt sie: „Ein Leben ohne Jeans ist möglich, aber für mich unvorstellbar!“

 

 

 

 

Kultobjekt Jeans Plus Size

Modeblogger und Plus Size Model Claus von Extra-Inches liebt Jeans in allen Facetten, Formen, Farben und Schnitten. Auf seinem Blog gibt er Styling-Tipps für Plus Size Männer. Er kreiert am liebsten seine eigenen Trends. Jeans spielen dabei eine große Rolle.

 

 

 

 

Kultobjekt Jeans Plus Size

Kristina betreibt als Frau Thommes einen Blog über Plus Size Mode, Food und Lifestyle. „Ich verstehe mich als Teil einer Veränderung in der Wahrnehmung von dicken Frauen.“, sagt sie. Für diesen Artikel hat sie unterschiedliche Jeans-Outfits in Szene gesetzt.

 

 

 

 

Warum hat die Jeans Kultcharakter? Was macht sie so besonders?

Claus: „Denim ist der Stoff aus dem die Träume sind, mit dem rebelliert wurde und mit dem Geschichte geschrieben wurde! Ich liebe Jeans! Ich liebe, wie sie sich anfühlt, sich zu allem kombinieren lässt, wie man damit Kontraste setzen kann! Jeans kann man eigentlich immer tragen, außer vielleicht zum Empfang bei der Queen.“

Timo: „Jeans sind einfach unkompliziert. Man kann sie täglich tragen und damit eigentlich nichts falsch machen. Je nach Anlass wird sie einfach schicker oder lässiger kombiniert. Die Jeans lässt sich zwar nicht neu erfinden, aber durch Waschungen, Destroyed-Effekte oder Applikationen sieht sie immer wieder neu aus.“

Kultobjekt Jeans Plus Size
Passt perfekt: Kristina in einer Happy Size Jeans

 

Kristina: „Jeans sind wandelbar und absolut alltagstauglich. Im Büro, in der Freizeit und abends zum Ausgehen. Jeans sind immer dabei. Die Bilder für diesen Artikel zu machen, hat mich weitergebracht. Ich gefalle mir auf den Bildern und hoffe damit, auch andere Frauen anzuspornen, zu sich selbst zu stehen. Seid dankbar für all das, was ihr habt.“

Wie sieht die perfekte Jeans aus?

Kristina: „Früher zwickte und zwackte es immer wenn ich Jeans anprobierte. Die Hose ging nicht hoch oder ging nicht zu. Heute gibt es viel mehr unterschiedliche Schnitte und mehr Elasthan. Das hilft ungemein. Da meine Taille schmaler als der Rest ist,  steht bei mir der Bund der Jeans über dem Po ewig weit ab. Da hat noch kein Hersteller eine gute Lösung gefunden.“

Anastasia: „Meine Jeans muss eng sitzen, damit ich das Gefühl habe, dass ich gut eingepackt bin. Laut der vielen Ratgeber, die es gibt, müsste ich ja eigentlich zwei Konfektionsgrößen größer tragen. Aber diese Jeans fühlen sich für mich viel zu weit an. Ich zwänge mich also in die eigentlich zu kleine Größe rein und laufe manchmal Gefahr, dass ich tagsüber wegen Atemnot umfalle. Aber zum Glück ist doch immer so viel Elasthan drin, dass ich den Tag gut überstehe.“

Und bei den Männern? Welche Eigenschaften muss eine gute Jeans haben?

Timo: „Eine gute Jeans zeichnet sich in erster Linie durch ihre Passform aus. Hat Man(n) einmal den Jeanshersteller seines Vertrauens gefunden, bleibt er diesem oft sehr lange treu. Weiterhin ist natürlich eine robuste Denim-Qualität mit Stretch für ausreichend Komfort wichtig. Zudem achte ich als Einkäufer besonders darauf, dass die Jeans verschiedenen Bundlösungen haben, den Tragekomfort noch weiter zu verbessern.“

Claus: „Da stimme ich Timo zu, eine Jeans muss einfach gut sitzen! Eine Jeans ohne Stretch kommt mir nicht mehr ins Haus!“

Woraus besteht der Jeansstoff eigentlich genau?

Anastasia: „Die Jeans bestanden jahrzehntelang aus 100% fester Baumwolle. Das derbe Material passte sich dem Körper allerdings erst nach mehrmaligem Tragen und Waschen an. Nur durch besondere Einweichrituale, bei denen man mit Jeans bekleidet in die Badewanne stieg, wurde der Stoff geschmeidiger.“ Sie lacht: „Diese Zeiten sind zum Glück vorbei! Dank Elasthan, das dem Baumwollstoff seit den 70er Jahren beigemischt wird, sitzt die Jeans heute gleich beim ersten Anprobieren. Nichts kneift oder schneidet ein. Der elastische Jeansstoff hat es möglich gemacht, dass Jeans heute von allen Figurtypen getragen werden können.“

Timo: „Zusätzlich werden neue Jeanstechnologien entwickelt, die den Jeansstoff immer weiter veredeln wie z.B. Highstretch- oder Bi-Stretch-Fasern, Jogg-Denim-Stoffe oder sogar Materialien, die der Jeans eine kühlenden Funktion geben.“

Welche Jeans-Trends gibt es aktuell?

Timo: „Nachdem sich die enge Form bei Herrenjeans jetzt schon über ein Jahrzehnt behauptet hat, lässt sich bei ganz Trendbewussten erkennen, dass die Beinformen wieder weiter werden, viel weiter! Die destroyed Jeans verschwindet langsam aus dem Straßenbild. Die Waschungen werden reduzierter bis hin zu ungewaschenen Varianten.“

Kultobjekt Jeans Plus Size

Claus: „Ein Trend, den jeder selbst ganz leicht nachstylen kann, ist der All-Denim-Look. Also ein Outfit komplett aus Denim. Dafür müssen Jeansjacke und die Hose nicht genau die gleiche Farbe und Waschung haben. Wie der All-Denim-Look gelingt, siehst du hier.“

Kristina: „Ich mag den aktuellen Trend, dass Jeans mit Stickereien, Patches, Glitzersteinen oder Perlen verziert sind. Für die Fotostrecke habe ich mir drei davon ausgesucht.“

Schick ins Office

 

Wochenendromanze

 

Die kleine Schwarze

 

Könnt ihr euch noch an eure erste Jeans erinnern?

Timo:  Meine erste Slim Fit Jeans war eine Levi‘s 511, gekauft hätte ich sie 2006 als gerade die ersten schmaleren Passformen in Mode kamen. Da der Handel, vor allem in kleineren Städten, noch auf Straight, BootCut oder gar Baggy Formen eingestellt war, habe ich diese neu bei eBay gekauft. Von einer weiten auf eine schmale Form umzusteigen war anfangs etwas ungewohnt, zumal Stretch noch kein Standard war. Aber ich habe sie gerne getragen, nur passe ich heute leider nicht mehr rein.“

Kristina: „An meine erste Jeans kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß noch, dass der Jeanskauf immer irgendwie schwierig war. Nie hat was richtig gepasst.“

Claus: „Bei mir ist das zu lange her, ich bin schließlich 40! Ich weiß aber, dass ich im Kindergarten eine knallrote Latz-Jeans hatte, die ich abgöttisch geliebt habe! Aber an einen ganz besonderen Jeanskauf kann ich mich noch gut erinnern. Ich habe mir eine der ersten Jog-Jeans gekauft, die vor einigen Jahren von Diesel auf den Markt kamen. Ich hatte mich in das Modell schockverliebt und es war unverschämt teuer! Habe sie anprobiert und bin dann erstmal wieder aus dem Laden raus und habe in Ruhe einen Kaffee getrunken und überlegt, ob ich mir das leisten soll. Und ich habe dann aber wirklich zugegriffen und habe die Hose auch heute noch!“

Anastasia: „Ja, unbedingt. Die habe ich mir von meinem ersten selbst verdienten Geld gekauft. Vom Supermarkt, in dem ich Regale aufgefüllt habe, bin ich direkt in den Jeansladen auf Frankfurts größter Einkaufsstraße gegangen und habe eine echte Levi‘s 501 gekauft. Als erstes habe ich allerdings das typische Levi’s-Label oben am Hosenbund abgeschnitten. Auf dem Label standen nämlich für alle lesbar Weite und Länge der Hose. Und ich wollte zu dieser Zeit nicht offen zeigen, welche Größe ich trage. Nachdem das erledigt war, war ich sehr glücklich!“

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