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Carola Niemann ist eine echte Powerfrau und mit ihrem Expertenwissen eine Institution in der Plus Size-Szene. Nach vielen Jahren als Stylistin und Moderedakteurin verwirklichte sie vor vier Jahren ihren Traum, ein Hochglanz-Magazin für kurvige Frauen herauszugeben. Sie ist Gründerin und Chefredakteurin des „The Curvy Magazine“.

Trifft man Magazin-Chefin Carola Niemann auf Mode- und Presseevents der Fashion-Week oder auf anderen Veranstaltungen, dann begegnet man stets einer sehr herzlichen, offenen und ausgesprochen interessanten Persönlichkeit. Man merkt Carola an, dass sie angekommen ist und dass sie das, was sie tut, mit Leidenschaft und absoluter Überzeugung macht. Sie war direkt Feuer und Flamme, als unser Redaktionsteam ein Interview bei ihr anfragte, denn sie vertritt die Haltung „Nur gemeinsam  können wir etwas bewirken“.  Es ist ihr von jeher ein Anliegen, Normalität in das Thema Große Größen zu bringen und durch die Gründung ihres eigenen Magazins möchte sie etwas an den Sehgewohnheiten der Gesellschaft ändern. Da Mode ihre Passion ist, hat sie sich aus unserer Herbst-Winter-Kollektion außerdem einige Lieblingsstücke herausgesucht, die super miteinander kombinierbar sind.

5 Fragen an Carola Niemann

Warum hieltst du es nach Jahren redaktioneller Arbeit in der Mode für notwendig, ein etwas „anderes“ Magazin ins Leben zu rufen?

Ich habe viele Jahre als Fashion-Direktor für verschiedene Frauenmagazine gearbeitet und dabei ist mir aufgefallen,  dass es fast keine Magazine gibt, die Models in Plus Size auf redaktionelle Art und Weise inszenieren. Es gab zwar in verschiedenen Magazinen zweimal im Jahr ein Plus Size-Thema mit Tipps für kurvige Frauen, aber es fehlte eine Beratung auf ganzer Linie.  

Vor allem fehlte mir die liebevolle, hochwertige Inszenierung, die man sonst täglich in den Medien sieht, die einen inspiriert und träumen lässt und einem das Gefühl gibt, ganz toll zu sein. Wenn ich die gängigen Zeitschriften gesehen habe, habe ich mir die Kleider angeguckt und wusste: Da passe ich sowieso nicht rein. Das hat mir gefehlt und ich dachte, wenn es mir fehlt, wie muss es da Millionen anderer  Frauen gehen, die da draußen rumlaufen? Das muss ein Ende haben!  Es war schon ein kleiner feministischer Gedanke dabei, die Sehgewohnheiten vor einem breiteren Publikum verändern zu wollen.

Gab es einen Initialmoment für deinen Weg?  

Ja, zum Beispiel die Fashion Week in Mailand oder New York. Wenn man da als Moderedakteurin sitzt und die Mädchen auf den Laufstegen sieht, dann kriegt man es ein bisschen mit der Angst zu tun. So dünne Mädchen! Es gibt viele, die sich ständig runterhungern, um dieses Schlankheitsideal zu erreichen. Dieses Ideal ist aber nicht natürlich. Die Mädchen auf dem Laufsteg sind zum Teil 16 Jahre alt. Das heißt, sie sind noch gar nicht richtig entwickelt. Und das kann ja nicht das Bild sein, das man erreichen möchte. Das ist unrealistisch.

Ich dachte nur, das muss aufhören Es gibt nun einmal auch Frauen, die mehr auf den Hüften haben. Es geht hier auch nicht nur um kurvige Frauen. Die Mehrheit der Frauen passt nicht in Kleider, die für Teenager gemacht sind. Eine normale Frau muss essen können, was ihr schmeckt und was sie braucht, um sich wohlzufühlen. Das ist viel wichtiger, als einem Ideal hinterherzuhinken. Kurzum: es fehlte praktisch die andere Seite der Medaille, die wollte ich zeigen.

…und dann hast du losgelegt!

Ja, es war an der Zeit, diese Stigmatisierung aufzuheben. Kurvige Frauen haben generell so viele Labels, die ihnen aufgedrückt werden, die eigentlich nicht stimmen. Es heißt dann immer: nicht sexy, zu dick, faul, unbeweglich, unbeherrscht, alles Mögliche, aber es stimmt eben nicht. Es sind ganz normale Frauen. Man kritisiert damit ja nicht nur einen Körper, sondern ganze Gesellschaftsschichten, die in der Mode nicht repräsentiert werden.

Inwieweit setzt ihr euch für Themen wie BodyLove und Bodypositivity ein?

Ich finde es super, dass Happy Size den Einsatz für Körperliebe so früh gestartet hat. Je mehr in dieser Richtung gemacht wird, desto besser ist es für die ganze Community. Ich bin für alle Aktionen immer zu haben und immer offen, wenn wir hören, da ist eine Ungerechtigkeit passiert. Dann unterstütze ich das zu 100 %. Nur gemeinsam sind wir stark und wir müssen auch laut sein! Viele Leute wissen gar nicht, was es bedeutet, wegen seiner Figur ausgegrenzt zu werden. Dann würden sicher viel mehr Leute solche Anti-Mobbing-Kampagnen unterstützen.

Früher haben wir uns als Curvy-Frauen geschämt, weil wir nicht das gesellschaftliche Ideal erfüllen. Aber dieses neue Bewusstsein zu sagen: Hey Stop, ich arbeite, ich zahle meine Steuern, ich bin nicht unästhetisch, sondern ein schöner, wertvoller Mensch, dieses Bewusstsein ist jetzt gerade sehr gewachsen und ich bin froh, dass Happy Size das sehr früh unterstützt hat und auch weiterhin unterstützt.

Was hat sich auf dem Markt in Sachen Mode generell getan? Wie ist der Stand der Dinge bei der Mode für kurvige Frauen und was wünschst du dir noch?

Es hat sich schon sehr viel getan. Die Auswahl ist schon viel größer geworden. Das sieht man auch  sehr schön  an  den Styles, die ich bei Happy Size herausgesucht habe. Ich habe bei meiner Auswahl darauf geachtet, dass man die Looks in allen Situationen anziehen kann.

Die modischen Favoriten von Magazin-Chefin Carola

Der Poncho

» Der Poncho ist ein superschönes Key-Piece, das man über allem anziehen kann. Zum Beispiel  kannst du diesen Poncho, so wie hier Bloggerin Constanze, wunderbar mit » einem leichten Sommerkleid tragen. Kombiniert mit ein paar » Biker-Boots und » einer roten Tasche von Taschenherz mit extra langen Riemen ergibt das einen coolen, lässigen Look.

Ein Kleid und doch viel mehr!

Dieses tolle Ensemble, bestehend aus » einem Plisseerock und » einem Blusenshirt, kannst so sowohl getrennt, als auch zusammen tragen, genau wie Bloggerin Ivy von @happyblumen. Zusammen mit einem » schicken, schwarzen Bindegürtel, » ein paar Stiefeletten und » einer stylischen Bauchtasche siehst Du einfach umwerfend aus.

Unser „ It-Piece“, wenn es um Animalprint geht

Animalprint ist immer noch ein Thema und in diesem Fall ganz besonders schön, weil es in die Khaki-Tarnrichtung tendiert. » Der Pullover mit Glanzgarn ist modern und super kombinierbar, wie ihr an  Bloggerin Joana seht. Sie trägt hier den Pullover zusammen mit » einer rockigen Hose in Lederoptik und einer schicken Bauchtasche, die den Look etwas auflockert. Zusammen mit ein paar » silbernen Plateausneakern ist der Look komplett.

Wow-Hoodie mit Pailletten

» Dieser Hoodie ist ein absoluter Hingucker, den du vielfältig stylen kannst. Einmal als coolen Herbstlook mit » lässiger Hose, » modischen Stiefeletten und » coolem Rucksack, also wie ihn Bloggerin Alexandra trägt, oder richtig frech, rockig und edgy mit Paillettenrock.

Ich hoffe, dir gefallen meine Outfits. Hab viel Spaß damit und schau gerne einmal in unser „The Curvy Magazine“ hinein. Hier finden sich Frauen wie du und ich!

Deine Carola