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Er ist Deutschlands erfolgreichster männlicher Blogger: Riccardo Simonetti. Nun engagiert er sich im Rahmen der Plus Size Fashion Days für das Thema Diversity. Wir haben das Multitalent zum Interview getroffen.

Riccardo Simonetti ist Blogger, Moderator, Model, Schauspieler und Kolumnist, kurz gesagt: ein Entertainer. Seine Fans lieben ihn aufgrund seiner Individualität. Im Interview sprachen wir mit dem Multitalent über Selbstakzeptanz, Vorbilder und den Mut, sich selbst treu zu bleiben. Und über sein neuestes Projekt: die Unterstützung der Plus Size Fashion Days.

Riccardo, du gehörst zu den erfolgreichsten Influencern in Deutschland. Auf deinem Blog „The Fabulous Life of Riccy“ schreibst du, dass du diesen Begriff eigentlich gar nicht magst. Wie würdest du dich lieber bezeichnen?

Als ich meinen Blog ins Leben gerufen habe, war „Blogger“ oder „Influencer“ noch gar kein Beruf. Ich wollte damals auch niemanden beeinflussen, sondern eher Menschen inspirieren. Und diesen Ansatz vertrete ich auch heute noch. Natürlich bin ich mir bewusst, dass das was ich tue, mittlerweile Menschen beeinflusst. Aber mein Ziel ist es, meine Follower zu inspirieren und ihnen Mut zu machen, die eigenen Träume zu leben. So wie ich.

Daher bezeichne ich mich selbst lieber als Entertainer. Denn – egal ob ich einen Text schreibe, Fotos mache oder eine Sendung moderiere – ich tue das, um Menschen zu unterhalten. Und ich empfinde es als großes Privileg, dass ich das darf.

Mit deinem außergewöhnlichen Look stehst du für Individualität und stichst aus der Masse hervor. Mode ist für dich aber viel mehr als nur ein Outfit, oder?

Mode ist eine Sprache, die für mich spricht, bevor ich überhaupt den Mund aufmachen kann. Als ich in der Pubertät angefangen habe mit Mode zu experimentieren, musste ich mich oft rechtfertigen. Das finde ich sehr schade, denn bei jungen Frauen wird das Experimentieren mit Mode als etwas völlig Normales angesehen.

Ich setze mir eigene Maßstäbe. Auch in der Mode.

Mit der gesellschaftlichen Struktur, die mir damals vorgelebt wurde, konnte ich mich nicht identifizieren – und so musste ich mir meine eigenen Maßstäbe setzten. Auch in der Mode. Und das möchte ich auch meinen Fans vermitteln: Lebe und kleide dich genauso, wie du es für richtig erachtest und bleibe dabei du selbst.

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Bleibt sich selbst und seinem Stil treu: Riccardo Simonetti.


Hast du einen Tipp, wie man es schaffen kann, sich selbst treu zu bleiben?

Ich habe das Glück, dass ich heute ganz ich selbst sein kann. Aber das war in meinem Leben nicht immer so. Ich bin auf dem Land groß geworden und damals hat dort niemand geglaubt, dass ich einmal die Dinge tun werde, die ich heute tue.

Auch ich musste lernen, mehr auf mich selbst zu hören. Ich glaube in der heutigen Zeit von Instagram und Co. lassen wir uns schnell dazu verleiten, die Dinge zu tun, von denen wir wissen, dass sie von den Menschen geliked oder gemocht werden. Wir versuchen es allen Menschen Recht zu machen. Aber das ist gar nicht möglich. Es wird immer jemanden geben, der nicht gut findet, was du tust.

Gibt es Momente, in denen du auch einmal Unsicherheit spürst? Was tust du dann?

Es gibt so viele unsichere Momente. Davor kann man sich auch gar nicht schützen. Alles was ich tue, wird in den sozialen Netzwerken bewertet. Wenn ich in eine Situation komme, in der ich unsicher bin, dann versuche ich Dinge zu tun, die mich daran erinnern, wer ich bin. Das schafft einen klaren Kopf.

Kleine Rituale erinnern mich daran, wer ich bin.

Früher habe ich immer ganz laut Musik gehört, wenn ich auf der Straße unterwegs war. Denn so habe ich nicht gehört, was die Leute über mich sagen. Für mich ist das zu einer Art Ritual geworden. Wenn ich den Tag nicht mit zwei Stunden Pop-Musik beginne, dann fühle ich mich den Rest des Tages einfach komisch.

Ich kann jedem nur nahe legen, kleine Rituale zu entwickeln, die dich daran erinnern, wer du bist. So lassen sich Alltags-Unsicherheiten oft aus dem Weg räumen.

Das Thema Diversity liegt dir sehr am Herzen. Du wünschst dir, dass mehr Menschen stolz darauf sind „anders“ zu sein und dass sie sich deshalb nicht schämen oder verstecken. Was rätst du den Menschen, denen die Selbstakzeptanz schwer fällt? Den Menschen, die deshalb vielleicht sogar gemobbt werden?

Ich bin früher selbst gemobbt worden. Ich habe sowohl psychische als auch physische Gewalt erlebt. Damals dachte ich, ich bin der Einzige, der das durchmachen muss. Aber dem ist nicht so.

Die Instagram-Hashtag-Aktion „I am stronger than bullying“ habe ich genau mit dem Ziel  initiiert, meine Fans aufzufordern ihre Erfahrungen mit Mobbing zu teilen und zu erzählen. Mir war es sehr wichtig eine Sichtbarkeit zu schaffen, damit Mobbing-Betroffene sich nicht alleine fühlen. Ich wollte zeigen, dass auch andere es geschafft haben, aus solch einer Situation wieder herauszukommen. Betroffene sollen hier ermutigt werden, sich jemandem anzuvertrauen.

Selbstakzeptanz: Lehne es nicht ab, „anders“ zu sein.
Ziehe daraus deine Stärke.

Mein Rat für all diejenigen, die merken, dass sie „anders“ sind: Lehne dein „anders Sein“ nicht ab, denn es macht dich zu etwas Besonderem. Es ist nicht schlimm, „anders“ zu sein. Sei stolz darauf und ziehe daraus deine Stärke. Wenn dein Leben ein Film wäre, dann wäre genau das die Eigenschaft, die dich zum Hauptdarsteller macht.

Sei stolz auf deine Individualität.


Hast du konkrete Vorbilder, die dich in deinem Leben inspirieren?

Popkultur war immer meine Religion, daher habe ich viele Vorbilder aus dieser Szene. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Menschen in den Magazinen und im Fernsehen viel mehr mit mir gemeinsam haben, als die Menschen in meinem Umfeld. Ich bewundere Stars, die ihren eigenen Weg gegangen sind und sich nicht von den Meinungen anderer beeinflussen ließen.

Deshalb bin ich auch ein Riesenfan von Marylin Monroe, Michael Jackson, Lady Gaga  aber auch Thomas Gottschalk. Sie haben sich getraut, ihre Persönlichkeit so auszuleben, wie sie ist. Sie haben auch unkonventionelle Outfits getragen und damit unglaublich viele Menschen dazu inspiriert, dasselbe zu tun. Und so jemand möchte ich auch sein.

Und in deinem privaten Umfeld?

Privat ist meine Mama mein größtes Vorbild. Ich bin in einem Frauenhaushalt mit meiner Mutter und meiner Schwester groß geworden. Meine Mutter hat mir viele Dinge beigebracht, die andere Söhne von ihren Vätern lernen. Dadurch hatte ich als Mann das Glück, einen ganz anderen Blickwinkel und ein ganz anderes Verständnis für bestimmte Dinge oder Probleme zu bekommen. Ohne meine Mama, wäre ich heute nicht der, der ich bin. Dafür bin ich ihr ewig dankbar.

Du stehst oft als Fashion Experte vor der Kamera, hast sogar deine eigenen TV-Show. Bald erscheint dein erstes Buch. Und nun bist du auch als Juror beim Casting der Plus Size Fashion Days dabei. Worauf freust du dich bei den Plus Size Fashion Days am meisten?

Ich freue mich, auf den Plus Size Fashion Days unter Gleichgesinnten zu sein. Unter Menschen, die nicht katalogisieren. Unter Menschen, die aus den Dingen, die ihnen mitgegeben werden, das Beste machen, die keinen falschen Schönheitsidealen hinterher rennen.

Das sind sowohl die Leute, mit denen ich eng zusammenarbeite, als auch die Casting-Teilnehmer/innen und die Besucher/innen der großen Runway-Show. Ich habe Lust, deren offene, starke Einstellung zur Selbstakzeptanz zu entdecken. Denn genau diese Einstellung vertrete ich jeden Tag.

Auch Männer brauchen alternative Schönheitsideale.

Was möchtest du durch dein Engagement für die Plus Size Fashion Days bewegen?

Ich möchte bewirken, dass eine größere Aufmerksamkeit auf alternative Schönheitsbilder und Vorbilder gelenkt wird. Im Hinblick auf die Akzeptanz von Plus Size bei den Frauen hat sich in den letzten Jahren schon viel getan. Es gibt immer mehr Models, Schauspielerinnen oder Sängerinnen, die nicht das allgemeine Schönheitsideal verkörpern und jungen Mädchen als Vorbilder dienen.

Und ich wünsche mir, dass so eine Entwicklung auch bei den Männern stattfindet. Denn auch unter jungen Männern gibt es diejenigen, die darunter leiden, nicht einem vorgegebenen Ideal zu entsprechen. Auch sie brauchen Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Und da sollte es Alternativen zum durchtrainierten Mann mit vielen Muskeln geben. Mit den Plus Size Fashion Days fördern wir das.

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Du möchtest als Model bei den Plus Size Fashion Days über den Runway laufen? Hier erfährst du, wie du dich bewerben kannst.

Riccardos spannende Ansichten zu Mode- und Gesellschafts-Themen findest du auf seinem Blog: The Fabulous Life of Ricci.