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Freundinnen sind etwas Wunderbares. Doch wir alle wissen auch, wie schwer es ist, Freundschaften über Jahre oder gar Jahrzehnte zu erhalten. Wir zeigen dir, wie (lebens)lange Freundschaft gelingen kann.

Freundinnen machen glücklich, stark fürs Leben und wenn nötig, schubsen sie einen liebevoll in die richtige Richtung. Manch eine Weggefährtin begleitet uns schon seit dem Sandkasten, andere wiederum haben wir erst kürzlich kennengelernt. Da es im Gegensatz zur Verwandtschaft selbst gewählte Beziehungen sind, werden sie oft sogar als wertvoller empfunden. Sie bleiben einem aber auch nicht so selbstverständlich erhalten wie ein Bruder oder die Eltern. Die Freundschaft ist ein wertvolles Gut, um das man sich kümmern sollte. Denn pflegt man sie nicht, so kann sie über kurz oder lang zerbrechen. Vor allem dann, wenn sich die Lebenssituation einer Freundin stark verändert. Familiengründung ist nur eine von vielen Kann-Bruchstellen in Freundschaften. Wer sich dessen bewusst ist, hat aber die Chance, diese Stürme zu überstehen.

Im Kindergarten fing es an

Die Kinder stürmen ausgelassen auf das Außengelände des Kindergartens. „Andrea! Carolin! Dringeblieben“, knurrt Fräulein Wolf. Den Spielkameradinnen schwant, dass ihre Vormittagsbeschäftigung Folgen haben soll. Beim Kastaniensammeln mit der Kindergartengruppe hatten sie sich unbemerkt davongeschlichen, um in den verlockenden Pfützen rumzumatschen. Zurückgekehrt in den Kindergarten müssen sie nun die Draußenspielzeit drinnen am Tisch sitzend und schweigend verbringen. Und den Eltern soll das auch berichtet werden. Wie fies! Es fließen Tränen. Tränen, die die beiden verbünden gegen die gemeine Kindergärtnerin. Ein starkes Erlebnis in der Kindergartenzeit, das eine lebenslange Freundschaft besiegelt.

Über 30 Jahre später sitzen Andrea und Carolin gemütlich zusammen. Aus Krokodilstränen sind Freudentränen geworden. Wenn eine schon anfängt mit: „Weißt du noch, damals im Kindergarten?“, lachen sie gemeinsam herzlich los. Und nur sie verstehen das.

Darum sind Freundinnen so wichtig

In Zeiten zerrütteter oder rund um den Globus verstreuter Familien sprechen Soziologen davon, dass freundschaftliche Verbindungen zum Familienersatz geworden sind. Wer in ein intaktes soziales Netz wie den Freundeskreis integriert ist, fühlt sich gut gewappnet gegen alles, was an Aufgaben und Problemen in der Welt über ihn hereinbricht. Dieses Gefühl schützt sogar vor Infektionen, Herzerkrankungen und chronisch erhöhten Stresshormonen.

Erinnern wir uns zurück: Wie unverzichtbar waren unsere Freunde, als uns die große Liebe Adieu sagte, Prüfungen uns stressten, uns die Kündigung eiskalt erwischte, unser geliebtes Haustier starb. Wie viel größer war die geteilte Freude über den ersten Freund, den bestandenen Führerschein, die Zusage für unseren Traumjob, den Heiratsantrag. Gemeinsam durchlebte Höhen und Tiefen schweißen zusammen – manchmal ein Leben lang! Wirklich ein Leben lang?

Friends for ever?

Die Leben haben sich zufällig an einem „gemeinsamen“ Ort gekreuzt: Schule, Arbeitsplatz, Sportclub oder VHS-Kurs. Studien der Universität Mainz belegen dieses Zufallsprinzip. Je mehr Parallelen sich nach der Begegnung dann ausmachen lassen, desto einfacher ist es, die Freundschaft zu erhalten. Kein Leben ohne Veränderungen, und je nachdem wie groß sie sind, können sie zu Kann-Bruchstellen werden. Ganz offensichtlich wird das, wenn eine Freundin Mutter wird: Während die eine noch Weltverbesserungsvisionen spinnt, sind bei der anderen Babyschwimmen, wunde Brustwarzen und Schlafentzug zur Realität geworden. Aus einer gemeinsamen Freundinnenwelt werden zwei. Ob die beiden das wollen oder nicht: Es wird so.

Das Anti-Aging-Programm für Freundschaften

Nur wenn Freundinnen es schaffen, diese kritischen Zeiten zu erkennen und vorsichtig in die Hand zu nehmen, werden sie mit einer sehr langen, vielleicht sogar lebenslangen Freundschaft belohnt. Es gibt einige Punkte, die dabei beachtet werden sollten. Wir haben für dich unsere Tipps zusammengestellt:

  1. Rituale entwickeln

Was auch immer ihr da entwickelt, wiederholt es immer und immer wieder.

  1. Längere Phasen des Schweigens akzeptieren

Freundschaften können auch längere Auszeiten vertragen. Das erfordert zwar viel Verständnis, aber wenn es sein muss, akzeptiert es. Lieber eine Auszeit als ein Aus, oder?

  1. Ehrlichkeit 

Sobald du merkst, dass du in der Freundschaft nicht mehr ehrlich sein kannst, stimmt was nicht. Überprüfe, woran es liegt und steuere dem aktiv, aber behutsam entgegen.

  1. Da sein, wenn man gebraucht wird

Das wird vor allem dann schwer, wenn es um Probleme des anderen geht, für die man selbst kein Verständnis hat. Das ist es aber, was Freundschaft auszeichnet.

  1. Für gemeinsame Erlebnisse sorgen

Das können kleine wie große sein, aber macht es!

  1. An wichtige Tage denken

In Zeiten von Smartphone-Kalendern, Facebook und Xing ein absolutes No-Go. Dazu gehören Geburtstage, Jahrestage, Prüfungen, einfach alle Tage, die der Freundin äußerst wichtig sind.

  1. Kleine Botschaften erhalten die Freundschaft

Macht euch die Smartphones zunutze: Informiert eure Freundin mit einer zwischendurch geschickten WhatsApp-Nachricht über den Zwischenstand eines Themas, das euch gerade beschäftigt.

  1. Erwartungen anpassen

Neue Lebenssituationen erfordern neue Erwartungen. Eine Neumama beispielsweise muss ihre Zeit hauptsächlich dem Baby widmen. Manche Veränderungen sind vorübergehend, manche bleiben.

Auch Andrea und Carolin haben in diesen 30 Jahren vieles durchlebt, und nicht immer im Gleichtakt, und vor allem nicht zusammen: Die eine ging zum Studieren ins 600 Kilometer entfernte München, die andere blieb in heimatlichen Gefilden: Reihenhaus, Heirat, drei Kinder. „Es wurde schwierig den Kontakt zu halten, sowohl wegen der Entfernung – damals gab es ja noch keine Smartphones – und wegen der völlig unterschiedlichen Lebensentwicklung. Ich machte ´ne Banklehre, Carolin studierte Medizin.“ Tatsächlich brach der Kontakt auch für viele Jahre ab. Beim Wiedersehen stellte sich dann aber sehr schnell das alte Vertrauen wieder ein: Sie vertrauten sich noch am „ersten Abend“ intime Geheimnisse an. Ein untrügliches Zeichen wahrer Freundschaft zwischen den beiden. Manch einer würde sogar sagen, dass wahre Freundschaft eine Auszeit aushalten muss. Doch solche Grenzen liegen bei jedem anders, die es zu respektieren gilt. Bei Andrea und Carolin hat es geklappt. Und sie hoffen, als Omas auf der Parkbank gemeinsam zu lachen. Und niemand außer ihnen wird´s verstehen.