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Bloggerin, Model und Sozialwissenschaftlerin Maren Kissing erzählt dir von den Phasen, die sie selber in der Covid19 - Zeit durchlebt und durchdacht hat, als sich plötzlich unser Alltag änderte und wir alle auf uns selbst zurückgeworfen wurden. „Da kommt so einiges zu Tage, was man in seinem Hamsterrad verdrängt und das ist nicht nur positiv“, findet Maren.

Hallo, ich bin Maren Kissing und freue mich, hier im Happy me-Magazin für dich schreiben zu dürfen! Seitdem ich 17 bin, arbeite ich als internationales Plus Size-Model, habe für viele Kataloge und Zeitschriften, wie die spanische Cosmopolitan, geshootet und bin Shows gelaufen – wie zum Beispiel für Guido Maria Kretschmer. Seit 2012 bin ich fester Bestandteil der Doku-Soap „Ab ins Beet“ auf VOX. Ich durfte viele spannende Ecken und Menschen dieser Erde kennenlernen und nutze Instagram (@marenkissing), um kurvigen Frauen tolle Mode näher zu bringen und zu »einem guten, gesunden Körpergefühl zu verhelfen.

Die Themen Menschen und deren Verhalten interessieren mich schon immer. Das, was wir in den letzten Wochen und Monaten erlebt haben, kennen wir ansatzweise aus Filmen und es war nie so nah und so real. Das, was sich für mich am meisten herauskristallisiert hat, ist, dass wir unser Leben, egal ob Job oder Freizeit, sehr stark von außen zu steuern scheinen und uns viel mehr an anderen orientieren als an uns selber. Darum hat mich in letzter Zeit das Thema „Zeit mit sich selbst verbringen“ sehr beschäftigt und ich möchte meine Gedanken und Fragen hier mit dir teilen.

Wann haben wir eigentlich verlernt, genussvoll Zeit mit uns selbst zu verbringen?

Maren Kissing

Als wir im März/April aufgrund von Covid19 mehr oder weniger dazu „gezwungen“ wurden, Social Distance zu praktizieren, war ich verunsichert von diesem Freiraum, wollte etwas Sinnvolles tun, „die Zeit nutzen“. Also habe ich angefangen zu putzen. Ich habe die Fenster und die Fliesen im Bad, die Küchenschränke und die Fensterbänke – einfach alles geputzt. Doch dann fragte ich mich: Warum eigentlich?

„Warum ticke ich so? Warum ticken wir so?“

Bevor ich meinen Plan, im Keller weiterzumachen und mir danach den Kleiderschrank vorzunehmen, weiterverfolgte, blieb ich bei dem Gedanken stecken: Bin ich mir eigentlich nur etwas wert, wenn ich „leiste“? Warum in dieser schwer zu fassenden und bedrückenden Situation nicht nett zu mir sein, sondern alles wieder gleich ganz schnell und „sinnvoll nutzen“? Wovon will ich mich eigentlich ablenken? Davon, dass ich vorerst keine Freunde mehr treffen sollte? Veranstaltungen ausfallen, Konzerte nicht stattfinden? Treffen generell wegfallen?

Eine Zeit lang mit mir allein bzw. zu zweit zu sein kann doch auch schön sein!? Warum führt also der erste Fluchtweg ins Putzen, statt einfach mal ruhig durchzuatmen? Doch dann merkte ich: Das „Äußere“ will uns gar nicht in Ruhe lassen. Wie die Pilze schossen die „Zeitüberbrückungstutorials“ aus dem Internet. Aktuell wimmelt es auf den Social Media-Plattformen doch geradezu von Menschen, die in ihren Fitness- und Yogavideos oder Kochtutorials dazu animieren wollen mitzumachen. Sie sagen: „Beweg´ Dich!“, „Meditiere morgens! Finde Deine Mitte!“, „Backe Bananenbrot!“, „Schreibe Tagebuch“, „Verbringe mehr Zeit mit der Familie!“, „Telefoniere!“, „Les doch mal ein Buch!“. Puh! Ich finde: schon wieder Druck und Stress! Brauche ich wirklich Anleitung, um mich jetzt mit meiner Zeit zurechtzufinden?

Ohne Handy und Co. fühlen wir uns unverbunden und unverknüpft

Model Maren Kissing

Noch nie standen den Menschen so viele unterschiedliche Kommunikationsmittel zur Verfügung wie heute. Und noch nie wurden diese so zahlreich genutzt. Dies hat allerdings auch den Nachteil, dass wir uns schnell „unverbunden/unverknüpft“ fühlen. In den täglichen Ablauf integriert, greifen wir doch andauernd zum Handy, um eine Nachricht zu verfassen, Mails zu checken oder auf Facebook oder Instagram zu stöbern. Wenn wir schließlich mal einen Moment nur mit uns- ganz allein und ohne jede Ablenkung- haben, sind wir oft….überfordert.

„Haben wir es verlernt, ganz allein auf die schönen Kleinigkeiten im Alltag zu achten?“

Wenn wir unser Umfeld, unsere Umwelt bewusst wahrnehmen, dann kann dies doch das wohligste Gefühl auslösen, oder? Gerade jetzt ist doch dazu eine ganz tolle Gelegenheit. Wenn man die Augen offen hält, dann stelle ich zum Beispiel fest, wie heftig blau unser Himmel zur Zeit ist, wie klar die Luft, wie laut die Vögel und dass das Geräusch des Rasenmähers vom Nachbarn eine unglaublich beruhigende Wirkung auf mich hat… und dann weiß ich auch plötzlich warum: Weil es mich irgendwie an meine Kindheit erinnert. Ist das nicht schön? Aber wie lange ist mir das nicht aufgefallen?

Normalerweise sollten wir diesen „Me-Moment“ einfordern und glücklich sein, wenn wir ihn bekommen. Unabhängig davon, ob wir in dieser Zeit meditieren, kochen, tanzen – oder rein gar nichts machen wollen! Genieß die Zeit mit dir selber, denn du bist dein ganzes Leben mit dir!

 

Ps: Me-Time verbringe ich gern mit neuen Styles, Trends- generell mit Mode. Aber unkompliziert muss sie sein! Ich war schon immer jenseits der Größe 38 und fein damit. Jetzt finde ich es toll, wie sich die Mode für Frauen jenseits der Konfektion 38 zum Positiven verändert hat. Ich bin bekennende »Kleider– und »Röcketrägerin. Im nächsten Beitrag zeige ich dir, welche Looks mir in meiner Me-Time Leichtigkeit und Freude bereiten.