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Zum Auftakt unserer Reihe "Let's move!" geht es um Curvy Yoga. Aktuell liegt Yoga voll im Trend! Expertin Dörte Kuhn erklärt uns, was das Besondere an Curvy Yoga ist und zeigt, warum du dabei auch vor schwierigen Übungen keine Scheu haben musst.

Yoga ist vor allem etwas für ultragelenkige Menschen mit Barbie- und Ken-Figur – so das Vorurteil. Tatsache ist: Die circa 2.700 Jahre alte indische Lehre, auf der das heutige Yoga basiert, wurde zum Wohl der Allgemeinheit entwickelt. Dass es dabei eben nicht bloß um äußerliche Flexibilität geht, sondern um Akzeptanz, positives Körpergefühl und innere Balance, zeigt das Phänomen Curvy Yoga. Ganz gleich, ob du jung oder alt, biegsam wie eine Brezel oder stämmig wie eine Eiche bist – dein Körper kann beim Curvy Yoga nur gewinnen. Niemand weiß das besser als Dörte Kuhn von der Kurvenreich Werkstatt in Hamburg, die seit über 20 Jahren Curvy Yoga unterrichtet. In ihren Plus-Size-Kursen zeigt sie, dass Curvy Yoga auch für Teilnehmer mit wenig Sporterfahrung zum tollen Erlebnis werden kann.

Dörte Kuhn geht mit ihren eigenen 110 kg Körpergewicht selbstbewusst um und meistert auch schwierige Figuren wie die „Standwaage“ auf einem Bein. Zur Unterstützung nimmt sie lediglich einen praktischen Yogablock hinzu – warum auch nicht? Die ausgebildete Yogalehrerin, Bewegungstherapeutin und Heilpraktikerin hat sich auf Yoga für Kurvige spezialisiert und sich bewusst dem körperpositiven Denken verschrieben. Den Teilnehmern ihrer Kurse macht sie daher keinesfalls Gewichtsvorgaben, sondern ermutigt sie, sich ohne Scheu und Schamgefühl an Ungewohntes heranzutrauen: „Meine Teilnehmerinnen dürfen wiegen, was sie wiegen. Und trotzdem Yoga machen. Ohne blöde Kommentare, aber mit viel Variationsreichtum und Hingabe.“ Dörte Kuhn greift auf die unterschiedlichsten Stile zurück: Von Yin Yoga über Nidra Yoga bis hin zu modernem Hatha Yoga ist alles dabei. Die Besonderheit in der Kurvenreich Werkstatt: Wo es nötig ist, werden Übungen einfach so angepasst, dass sie sich auch für Plus-Size-Yogis eignen – ohne Furcht einflößende Akrobatik oder verkrampfte Körperhaltung.

Herabschauender Hund am Geländer und Sitzvariation an der Wand (Dicke Deern GmbH)

 

Was macht Curvy Yoga besonders?

Bei aller Freiheit im Stil nimmt Dörte Kuhn auf die körperlichen Grenzen ihrer Teilnehmer Rücksicht und setzt daher beim Curvy Yoga auf alternative Methoden: „Nicht besser, nicht schlechter. Anders.“ Beim Curvy- oder Plus- Size-Yoga führen die Übenden ihre Bewegungen vorsichtig und achtsam aus, um die Belastung auf die Gelenke, insbesondere Knie, zu minimieren. Posen werden individuell auf stämmigere Figuren und kleinere Bewegungsradien abgestimmt; kräftigere Beine dürfen zum Beispiel weiter als hüftbreit auseinanderstehen. Bei Bedarf werden auch einfache Hilfsmittel wie Yogablöcke als Stützen eingesetzt. Kurzum: Curvy Yoga lässt sich ohne Einschränkung erfolgreich und mit Spaß betreiben!

Die innere Größe stärken

„Frauen und Männer mit Übergewicht haben oft mit einem angeknacksten Selbstwertgefühl zu kämpfen und meiden sehr oft prinzipiell Sport, um Spott zu entgehen“, weiß Dörte Kuhn aus der Praxis. Curvy Yoga ist ein optimales Mittel gegen dieses Sich-selbst-im-Weg-Stehen, weil es einerseits die Beweglichkeit verbessert und andererseits die Selbstliebe stärkt. Wer lernt, die Plankenstellung zu halten und dabei entspannt zu atmen, übt damit auch, bei beruflichen Herausforderungen besser seinen Mann oder seine Frau zu stehen. Deshalb legt Dörte Kuhn ihren Fokus nach innen. Weg von der Frage: Wie sehe ich aus? Hin zu der Frage: Wie fühlt es sich an? Ihren Teilnehmern möchte sie „dabei helfen, sich selbst näherzukommen, sich im wertfreien Wahrnehmen zu üben und den liebevollen Umgang mit sich selbst zu pflegen. Äußere körperliche Veränderung rückt in den Hintergrund, so wie es übrigens auch dem ursprünglichen Wesen von Yoga entspricht.“

Dafür legt sie ihren Kursteilnehmern – und nicht nur denen – gern auch den Selflove Sunday ans Herz. Dabei handelt es sich um eine Aktion, die von der Bloggerin Jennifer Ospelt ins Leben gerufen wurde: Sonntags veröffentlichen ihre Leser Bilder, auf denen sie nur in Badesachen posieren. Es soll ein Zeichen dafür setzen, dass wirklich jeder schön ist. „Er soll dahin gehend sensibilisieren, wie wir Körper bewerten und in Schubladen stecken. Es wäre schön, wenn wir durch den Selflove Sunday kollektiv erkennen, wie facettenreich Schönheit ist. Ich wünsche mir sehr, dass wir eines Tages vor allem über Menschen reden und nicht nur über ihre Körper.“ Das Konzept geht auf: Auch wenn sich Plus Size-Yoga noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat, erfreut es sich dennoch wachsender Beliebtheit.

In diesem Sinne sagen wir: Gönne deinem Körper Balance und Spaß beim Curvy Yoga! Namaste!

 

Links:
Kurvenreich Werkstatt by Dörte Kuhn
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Buchtipps:
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Dörte Kuhn, Rund & fit

Bildnachweise:
Einstiegsbild: Halbmond mit Block (Dörte Kuhn/ Köhler Photography)