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Für unsere Reihe Erfolgsgeschichten sprachen wir mit der charismatischen Schauspielerin Nadine Wrietz. Bekannt aus der RTL-Erfolgsserie „Der Lehrer“, ist sie nun auch neben Elyas M’Barek im Kinofilm „Dieses bescheuerte Herz“ zu sehen. Im Interview verrät Nadine, wie sie Rückschläge und Herausforderungen auf dem Weg zum Traumberuf Schauspielerin gemeistert und dabei nie ihren Humor verloren hat.

Gute Neuigkeiten erreichen Schauspielerin Nadine Wrietz im neuen Jahr: Der Film „Dieses bescheuerte Herz“, in dem sie neben Elyas M’Barek ihre erste Kinohauptrolle spielt, hat innerhalb von 18 Tagen schon rund 1,2 Mio. Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt.

Der Film handelt von der bewegenden Freundschaft zwischen dem herzkranken Teenager David und dem sorglosen Playboy Lenny (M’Barek). Nadine Wrietz wurde als ideale Besetzung für die anspruchsvolle Rolle als Davids Mutter ausgewählt. Ein toller Karriereschritt für die Berlinerin. Mit uns sprach die Schauspielerin über berufliche Rückschläge, den Umgang mit schwierigen Herausforderungen und wie man es schafft, den Sinn für die wichtigen Dinge im Leben nicht zu verlieren.

Manche glauben, Erfolg bedeutet „reich und berühmt“ zu sein. Was bedeutet Erfolg für dich?

Ich bin glücklich, dass ich von meinem Beruf leben kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit als Schauspielerin. Außerdem werden mir immer wieder sehr tolle, manchmal fordernde Rollen angeboten, die mir einfach Spaß machen zu spielen. Das ist für mich ein ziemlich großer Erfolg.

Deine Schauspielkarriere hast du bereits sehr früh, im Alter von 11 Jahren, begonnen. War es schon als Kind dein Traum, Schauspielerin zu werden oder was hat dich motiviert diese Laufbahn einzuschlagen?

Als Kind ist das alles ganz zufällig und spielerisch passiert, immer ohne Druck und es hat Spaß gemacht. Klar, während der Dreharbeiten hatte ich schulfrei und habe in dieser Zeit tolle Dinge erlebt, die sonst niemand in meiner Klasse erlebte. Zu der Zeit plante ich, dass ich Lehrerin werden würde. Dementsprechend begann ich nach dem Abitur auch erst mal zu studieren, musste aber auch Geld verdienen. Eine Freundin hatte mir einen Job als Regieassistentin am Theater vermittelt. Daher musste ich das Studium „aus Zeitgründen auf Eis legen“. In der Theaterwelt habe ich mich sofort wohl gefühlt. Eines Tages ist kurz vor der Premiere eines Stückes eine Schauspielerin ausgefallen, die quasi über Nacht ersetzt werden musste. Da habe ich gesagt: Kann ich. Und ich durfte. Danach folgten einige Jahre Theater. Eine tolle Schule. Seit dieser Zeit lebe ich eigentlich von dem Beruf, der mir irgendwie passiert ist.

Auf deine Zeit als Ensemble-Mitglied im Theater folgten dann Rollen im TV. Seit 2014 gehörst du zum Hauptcast der RTL-Erfolgsserie „Der Lehrer.“ – Das hört sich nach einer Traum-Karriere an. Gab es auch Zeiten, in denen du Rückschläge erlebt und darüber nachgedacht hast, die Schauspielerei aufzugeben?

Ja, es gab mal zwei Jahre, da sah es ganz mau aus. Irgendwann waren alle Ersparnisse aufgebraucht und ich musste mir überlegen, was ich jetzt eigentlich mache.  In der Zeit habe ich mir selber sehr leid getan… Ich suchte dann nach Jobs, für die man nicht zwingend eine entsprechende Ausbildung braucht. Gestartet habe ich dann in einem Bio-Supermarkt und dort Regale eingeräumt. Ständig ist mir aber passiert, dass mich Leute ansprachen, weil sie mich aus dem Fernsehen kannten oder ich traf Kollegen, mit denen ich schonmal gearbeitet hatte oder Regisseure, mit denen ich immer mal arbeiten wollte. Das ist mir auf Dauer gar nicht bekommen, also suchte ich mir etwas anderes. Aber auch da habe ich schnell gemerkt, dass ich einfach unglücklich war, nicht spielen zu können.

Zudem war ich so kaputt von der Arbeit, dass ich keine zusätzliche Kraft mehr hatte, mich um meinen eigentlichen Beruf zu kümmern und wieder irgendwo ein Bein in die Tür zu kriegen. Irgendwann habe ich entschlossen, den Job zu kündigen und nochmal mit aller Kraft anzugreifen – was mir dann Gott sei Dank auch gelungen ist.

Welche deiner Eigenschaften haben dir geholfen, deine beruflichen Ziele zu erreichen?

In diesem Beruf braucht man vor allen Dingen Glück, etwas anderes zu behaupten wäre Quatsch. Aber wenn du endlich eine Chance bekommst, musst du auch abliefern, dich was trauen, fleißig sein, man muss sich auf dich verlassen können. Du brauchst Disziplin und musst gut vorbereitet sein. Nur dann wird man dich wieder anfragen. Das alles habe ich immer wieder beherzigt.

Und mein Humor hat mir immer geholfen.

Das verbreitete Schönheitsideal unserer Gesellschaft, in denen Frauen Kleidergröße 36 tragen, perfekte Zähne und glatte Haut haben, macht auch vor der Film-und Fernsehindustrie nicht halt. Hat dich dieses Ideal in deiner Karriere als Schauspielerin schon einmal beeinflusst?

Ich nehme das wahr. Aber ich bin mit meiner Erscheinung in einer anderen Nische unterwegs. Mich betrifft das nicht in dem Maße. Viele meiner Kolleginnen – und übrigens auch Kollegen! tun mir häufig leid. Eine ganze Zeit kann man für sein Aussehen ja eine Menge tun, aber dann kommt das Alter dazu. Und Frauen ab 35 haben es in der TV-Landschaft einfach schwerer als die Anfang 20-jährigen. Da gibt es viel Angst, nicht mehr attraktiv genug zu sein.

Mir war immer klar, dass ich nicht um die Rollen in Konfektionsgröße 36 buhlen muss, das gibt einem etwas mehr Freiheit.

Dein aktueller Kinofilm „Dieses bescheuerte Herz“ beruht auf einer wahren Geschichte. Du spielst darin die Mutter eines herzkranken Jungen, die stets mit der Angst kämpfen muss, dass ihr Sohn bald sterben könnte. Wie hast du in deine Rolle hineingefunden und welche Herausforderungen hattest du dabei? 

Nadine Wrietz in ihrer Filmrolle Betty in „Dieses bescheuerte Herz“

Ich habe das Buch, auf dessen Grundlage der Film entstanden ist, gelesen. Es wird aus der Sicht des Jungen erzählt. Dann gibt es noch ein zusätzliches Buch, welches die originale Mutter geschrieben hat. Beide habe ich natürlich verschlungen, um in diese Welt einzutauchen und deren Leben mit allen Ängsten besser kennenzulernen. Später in den Vorbereitungen führte ich dann mit der Mutter Debbie auch ein Skype Gespräch und stellte ihr einen ganzen Katalog an Fragen. Wir haben gemeinsam gelacht und geweint. Wenn man Mutter ist, und ich habe selber einen 2-jährigen Sohn, kann man sich sehr gut vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man dauernd Angst um sein Kind hat. Unglaublich, was diese Familie durchmacht.

Nadine Wrietz (rechts) und ihr Filmsohn (Philip Noah Schwarz) treffen bei einer Filmvorführung in Berlin auf ihre Rollenvorbilder

Die Dreharbeiten selbst waren dann sehr fordernd, weil es oft sehr traurig zuging. Die größte Herausforderung war wohl, nach Drehschluss immer wieder aus dieser Stimmung rauszufinden.

Hast du einen Rat für unsere Leserinnen und Leser mit schwierigen Herausforderungen im Beruf umzugehen?

Immer an sich glauben, sich nicht beirren lassen, auf sein Gefühl vertrauen. Hat bei mir immer geholfen.

Vom Beruf zur Freizeit: Findet man dich auch schon mal im Fußballstadion an? Schließlich hast du den Vereinssong für den Hertha BSC geschrieben.

Ich war schon immer Herthanerin. In den letzten Jahren finde ich oft nicht die Zeit ins Stadion zu gehen, aber ich verfolge alle Spiele, wie überhaupt die ganze Bundesliga. Das mit dem Vereinssong war mal eine Anfrage vom Hertha BSC direkt. Und da ich auch komponiere und texte, habe ich es einfach mal versucht. Und rausgekommen ist die vermutlich bislang lieblichste Vereinshymne für Hertha BSC. Die erste von einer Frau, soweit ich weiß.

Was machst du, um in der Freizeit vom Berufsalltag abzuschalten?

In meiner Freizeit umgebe ich mich fast nur mit Leuten, die nicht aus der Branche kommen, das schärft die Sinne für die wichtigen Dinge im Leben. Und ich verbringe viel Zeit in meinem Garten, das erdet im doppelten Sinne.