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In Berlin haben wir Schauspieltalent Steven Preisner zum Interview getroffen. Wir sprachen mit ihm über Erfolg, Vorbilder und die schönen und weniger schönen Seiten des Schauspiel-Businesses. Und Steven erklärte uns, warum es für ihn ein Vorteil ist, nicht dem klassischen Schönheitsideal der Filmbranche zu entsprechen.

Manche glauben, Erfolg bedeutet „reich und berühmt“ zu sein. Was bedeutet Erfolg für dich?

Erfolg ist für mich das Ergebnis von harter Arbeit, Durchhaltevermögen und einer Prise Glück – vor allem, wenn ich da von meiner Branche spreche. Das ich von meinem Traumberuf Schauspiel leben kann, ist für mich persönlich ein großer Erfolg, für den ich jeden Tag dankbar bin. Auch das ich immer wieder in neue – teilweise sehr skurrile – Rollen schlüpfen und an den verschiedensten Orten (z.B. Argentinien) drehen darf, ist für mich ein größerer Erfolg als berühmt oder gar reich zu sein.

Wann hast du beschlossen, eine Karriere als Schauspieler zu verfolgen? 

Solang ich mich erinnern kann, habe ich es geliebt in verschiedene Rollen zu schlüpfen oder Personen nachzumachen. Für mich waren als Kind Fasching und Halloween die absoluten Highlights im Jahr. Ziemlich schnell habe ich während der Grundschulzeit gemerkt, dass ich auf die Bühne möchte. Ob im Kirchentheater oder im Schultheater –  ich war Feuer und Flamme für das „Spielen“. Nach dem Abitur und dem Zivildienst studierte ich zunächst 2 Semester Theaterpädagogik, war mir dann aber nicht mehr sicher, ob es wirklich das richtige und auch etwas handfestes ist. So wechselte ich zum Grundschullehramt – hier handelt es sich schließlich auch um eine Bühne, wo man ein Publikum zu begeistern hat. Begleitend habe ich zum Studium Kurse und Workshops an einer Schauspielschule genommen.

Hast du berufliche Vorbilder, die dich inspirieren?

Mir fällt es schwer ein bestimmtes Vorbild zu nennen, eher finde ich Fassetten von verschiedenen Schauspielern inspirierend und versuche mir mit den Augen von ihnen etwas abzuholen. Mich interessieren nicht die Namen, sondern ob Schauspieler gut spielen können. Es gibt eine Menge von begnadeten unbekannten Schauspielern, die um Längen besser sind als viele, die in der Branche hoch gehandelt werden. Generell ist für mich jeder Mensch ein Vorbild, der es schafft, sich selbst zu akzeptieren, zu lieben und für seine Träume zu kämpfen.


Das Schauspiel-Business ist hart umkämpft. Viele träumen davon diesen Beruf ausüben zu dürfen. Gab es auf deinem Karriereweg Zeiten, in denen du Rückschläge erlebt hast?

Das Schauspiel-Business ist tatsächlich eine harte Branche. Die Zuschauer sehen immer nur gerade das, was man dreht oder ob eine Werbung mit einem im TV läuft. Doch dass man viele Castings hat, von denen der Großteil nicht klappt, man jede Woche am Telefon hockt und wartet, dass sich die Agentin mit einer zeitlichen Anfrage oder einem Casting meldet, sehen die meisten Menschen nicht.

Man muss sich ein ganz schön dickes Fell zulegen und versuchen, Absagen nicht zu persönlich zu nehmen. Anfangs habe ich hart damit kämpfen müssen, kann mich aber mittlerweile gut damit arrangieren.

Mir ist es leider schon mehrfach passiert, dass Serien-Piloten, in denen ich mitgespielt habe, abgesetzt oder nicht ausgestrahlt wurden. Das ist vor allem schade, wenn man nicht mal das Material fürs Demoband bekommt. Trotz all dieser Dinge liebe ich meinen Beruf und bin dankbar, ihn ausüben zu dürfen.

Wie motivierst du dich, nach solchen Situationen weiterzumachen?

Mein Mantra sind die Worte meiner geliebten Oma, die immer zu mir sagte: „Wer will und an sein Können glaubt, wird immer an sein Ziel gelangen!“ Diese Worte sitzen tief in meinem Unterbewusstsein und helfen mir auch durch schlechte Phasen hinweg. Außerdem habe ich liebe Freunde und Menschen in meinem Leben, die mir immer wieder aufzeigen, was ich schon erreicht habe.

Was liebst du an deinem Beruf? Gibt es auch etwas, das nicht so toll ist?

Ich liebe es in verschiedene Rollen zu schlüpfen und mir Rollenprofile zu erarbeiten, nachzuvollziehen, warum eine Figur das oder jenes sagt und doch vielleicht etwas anderes meint. Außerdem ist es einfach unglaublich spannend, die Ideen von Drehbuchautoren in die Realität umsetzten zu dürfen. Und ich erlebe bzw. zwinge mich zu Sachen, die ich im normalen Leben niemals machen würde, wie z.B. im Eisbärengehege im Berliner Zoo zu schwimmen, um auf den  Klimawandel aufmerksam zu machen.

Nicht so toll sind die Absagen, die man immer wieder erhält oder der Neid, der so unter Schauspielern herrscht.


Welche deiner Eigenschaften haben dir geholfen, deine beruflichen Ziele zu erreichen?

Andere würden vielleicht sagen: mein Humor. Ich würde sagen, dass ich mir selbst treu bleibe und mich nicht verbiegen lasse. Mir ist auch bewusst, dass ich nicht dem Schönheitsideal der deutschen Filmbranche entspreche, was mir aber auch einen Vorteil verschafft. So werde ich wohl weniger den heißblütigen Liebhaber spielen, habe dafür aber auch weniger Konkurrenz für die Rollen, die ich spiele.

Was war deine bisher herausforderndste Rolle?

Für mich hat jede Rolle hat etwas Herausforderndes. Zum Beispiel musste die Figur, die ich im Kurzfilm „Herbst Summen“ von David Schuster spiele, sich selbst erschießen, da sie zuvor jemanden getötet und dabei versehentlich auch seine Schwester getötet hat. Nach Drehschluss musste ich versuchen, die Verzweiflung, Wut und Trauer in mir wieder loszuwerden. Als ich in der Bahn zurück nach Potsdam saß, musste ich immer noch zittern und mir liefen die Tränen.

Hast du einen Rat für unsere Leserinnen und Leser mit schwierigen Herausforderungen im Beruf umzugehen?

Glaubt an euch und euer Können! Nur wer an seinen Träumen festhält, kann sie auch jemals in Erfüllung gehen lassen. Rückschläge sind normal, die gibt es überall – nur dürfen wir uns davon nicht umstimmen bzw. unterkriegen lassen.

Welche Rolle würdest du gerne einmal spielen?

Ich würde super gern mal in einem Horrorfilm mitspielen, da ich selbst ein großer Horrorfilmfan  bin. Außerdem würde ich super gern eine längerfristige Rolle in einer Serie spielen wollen, denn meist hat man ja nur 2-5 Drehtage in Filmen oder Serien, wenn man nicht zum Hauptcast gehört und so kann man leider nie wirklich die Entwicklung einer Figur beobachten oder antreiben.

Was machst du, um in der Freizeit vom Berufsalltag abzuschalten?

Ich verbringe viel Zeit mit meinen Freunden, die zum Großteil nicht aus der Filmbranche stammen. Wir machen Radtouren, gehen Essen oder tanzen. Sonst bin ich viel mit meinem Hund und meinem Partner unterwegs oder fahre zu meiner Familie auf dem Land. Hier kann man sich gut entspannen.

Mehr von Steven Preisner findest du auch auf auf seinem Instagram Profil.

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