Lesezeit: 4 Minuten

Michael Michalsky ist einer der einflussreichsten Modedesigner Deutschlands. Bereits 2009 bezeichnete die VOGUE ihn als den "neuen deutschen Modepapst" und Karl Lagerfeld sagte: "Michalsky ist der einzige deutsche Designer, den man kennen muss." Jetzt hat Michalsky für Happy Size seine erste Plus Size Kollektion entworfen. Wir trafen den Designer zum Interview.

Auf dem Launchevent seiner „7 Days“ Kollektion für Happy Size sprachen wir mit Michael Michalsky über beruflichen Erfolg, den Umgang mit Rückschlägen und über Diversität in der Modebranche.

Manche verbinden mit Erfolg: Reichtum und Berühmtheit. Was bedeutet Erfolg für dich?

Ich bin ständig auf der Suche nach dem perfekten Look für eine bestimmt Gelegenheit. Wenn ich in einer Kollektion ein oder zwei Outfits entwickelt habe, mit denen ich wirklich zufrieden bin, dann fühle ich mich erfolgreich. Der geschäftliche Erfolg stellt sich dann von allein ein.

Michael Michalsky Plus Size KollektionDesign-Skizzen der „7 Days“ Kollektion von Michalsky Berlin for Happy Size

Welche deiner Eigenschaften haben dir geholfen, deine beruflichen Ziele zu erreichen?

Durchhaltevermögen, Neugier und Aufgeschlossenheit für Neues.

Seit wann wusstest du, dass dein Leben mit Mode zu tun haben soll? Wie konntest du diesem Wunsch nachgehen? Es ist ja kein gewöhnlicher Beruf. Haben deine Eltern dich unterstützt?

Ich bin durch eine Bild-Geschichte über Karl Lagerfeld auf die Idee gekommen, Mode zu studieren. Ich fand das so faszinierend, was dort über Karl erzählt wurde. Das hat mich sofort begeistert. Meine Eltern fanden den Wunsch zwar ungewöhnlich, haben mich aber von Anfang an unterstützt.

Nach deinem Abitur bist du dann nach London gezogen, um dort am London College of Fashion zu studieren. Wie hast du die Studienzeit erlebt? Was hat deinen weiteren Berufsweg besonders geprägt?

London war wie eine neue Welt für mich. So aufregend. Ich habe als Picker für Night-Clubs gearbeitet und auch in einem Sterbe-Hospiz für AIDS-Kranke. Das waren prägende Erfahrungen.

Danach wurdest du Designer bei Levi’s, Adidas, Tchibo und hast dann dein eigenes Label Michalsky gegründet. Das hört sich nach einer Traum-Karriere an. Gab es auch Zeiten, in denen du Rückschläge erlebt hast?

Natürlich. Wie jeder andere auch, habe ich Rückschläge erlitten oder konnte mich manchmal mit meinen Ideen nicht durchsetzen. Das finde ich nicht schlimm. Man muss aus den eigenen Fehlern oder Niederlagen lernen. Und weiter geht’s.

Aufgeben? Das macht für mich keinen Sinn.

Michael Michalsky Plus Size KollektionMichael Michalsky in seinem Atelier in Berlin

Wie hast du dich motiviert an dich zu glauben und weiterzumachen?

Ich glaube, es ist wichtig, an einem Ziel festzuhalten und an den eigenen Erfolg zu glauben. Man kann korrigieren und sich neu orientieren. Aber aufgeben? Das macht für mich keinen Sinn.

Hast du bezüglich schwieriger Herausforderungen im Job/Leben einen allgemeingültigen Rat für unsere Leser/innen?

Glaubt an Euch. Seid neugierig und tolerant und aufgeschlossen.

Seit 2016 bist du im TV als Juror bei einer großen Model-Casting-Show zu sehen. Dort nennst du die Models, die du coachst „Team Diversity“. Denn in deinem Team sind auch Frauen, die nicht dem typischen Model-Klischee entsprechen, wie z.B. Curvy Models. Seit wann ist dir das Thema Diversity wichtig und warum?

Ich caste schon seit Jahren eher ungewöhnliche Models für meine Fashion-Shows. Zum Beispiel Mario Galla, der mit einer Prothese in meiner Show lief oder Eveline Hall, die mit 65 Jahren ihre Modelkarriere in der Michalsky-Show startete. Ich möchte mit Persönlichkeiten arbeiten und die Models nicht nach Äußerlichkeiten auswählen. Schön sind sie alle.

Ich möchte mit Persönlichkeiten arbeiten.

Michael Michalsky Plus Size KollektionDie Models auf dem Runway beim Launchevent der „7 Days“ Kollektion von Michalsky Berlin for Happy Size

Was hat sich deiner Meinung nach in den letzten Jahren in der Modebranche verändert? Und was sollte sich deiner Meinung noch tun?

Ich denke, das Thema Nachhaltigkeit wird zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Das finde ich gut.

Die „7 Days“ Kollektion, die du für Happy Size entworfen hast, ist deine erste reine Plus Size Kollektion. Was hat dich dazu veranlasst erstmals eine reine Plus-Size-Kollektion zu entwerfen?

Ich kenne Happy Size schon seit Jahren als eine coole, moderne Marke. Als die Anfrage für eine Zusammenarbeit kam, habe ich mich deshalb gefreut und sofort zugesagt.

Wurde es früher versäumt den großen Teil der Plus Size Träger/innen in der Mode konsequent mit zu berücksichtigen?

Das weiß ich nicht. In der High-Fashion bestimmt, weil die Marken ein bestimmtes Bild kreieren wollten. Das ändert sich jetzt aber gerade.

Soll dein Einstieg ins Plus Size Segment auch ein „Weckruf“ für weitere Designer/innen sein?

Ich würde mich freuen, wenn das passiert.

Hier kannst du die Kollektion „7 Days“ von Michael Michalsky Berlin for Happy Size entdecken:
Zur Damenkollektion
Zur Herrenkollektion

Wie du die Designerstücke noch kombinieren kannst, siehst du hier:

3 Keypieces neu kombiniert
Looks mit Happy Size Mode